In den Jahren 2016 und 2017 habe ich mit zwei Partnern die Studie „Bank der Zukunft“ durchgeführt, mit Prof. Markus Petry und Bianca Späth. Unsere Ergebnisse sind im April 2016 in „bank und markt“ veröffentlicht worden. Die Ergebnisse habe ich im Anschluss gemeinsam mit Udo Kiel vertieft ausgewertet. So ist die Studie „Bank der Zukunft“ entstanden. Die Executive Summary der Studie finden Sie in diesem Beitrag, natürlich mit Informationen zu den Beteiligten und mit links zu den Publikationen.


 

Executive Summary

Für die Studie „Bank der Zukunft“ wurden Vertreter privater und öffentlicher Banken um ihre Einschätzung zu provokativ formulierten Thesen gebeten. Ein zentrales Ergebnis ist, dass die Bankenbranche mit Blick auf die Zukunft orientierungslos erscheint, denn zu vielen Thesen fehlen klare Standpunkte. Weiter scheint der Blick der Branche weder klar auf Risiken noch auf Chancen ausgerichtet zu sein. Dies birgt die Gefahr einer weiteren Abwärtsspirale und neuer Krisen. Doch die Banken können gegensteuern, wenn sie eine Haltung für den Erfolg einnehmen. Eine solche Haltung ist die Grundlage dafür, um die erforderliche Stärkung der Führung vorzunehmen und um auf neuen Wegen Zukunftsstrategien zu entwickeln.

Teil 1: Die Führung und Steuerung stärken

Elementar für das Gelingen des Wandels ist die kritische Prüfung der Führungs- und Steuerungsprozesse in den Banken sowie deren Ausbau. Denn nur, wenn diese grundlegenden Prozesse funktionsfähig sind, ist die Basis für die Umsetzung des erforderlichen Wandels vorhanden. Schwerpunkt ist der Umgang mit Risiken – und mit Chancen. Hand in Hand damit geht die Gestaltung der Zukunft, um Orientierung zu schaffen. Letzteres kommt auch bei den strategischen Themen immer wieder prominent auf die Agenda, ebenso bei den Fragen der inneren Haltung. Weitere Schwerpunkte sind die Aufbau- und Ablauforganisationen der Banken. Diese sollten die Umsetzung der Strategien erleichtern; Änderungen daran können jedoch keine fehlende Strategie ersetzen. Weiter ist interessant, dass offensichtlich die Entwicklung einer Konfliktkultur ansteht, in der unterschiedliche Standpunkte genutzt werden können. Schon dieses für sich alleine wäre ein wichtiger Schritt in Richtung Innovation und Erneuerung. Insgesamt ist die Führung in den Banken sowohl in den klassischen Aufgaben der Organisation und des Risiko- und Chancenmanagements als auch in der Zukunftsgestaltung und dem Kulturwandel gefordert.

Teil 2: Neue Strategien entwickeln

Auf die erodierenden Erträge reagieren viele Banken mit Restrukturierungen, also mit Veränderungen der Aufbau- und Ablauforganisation. Dabei stehen meist Kosteneinsparungen im Mittelpunkt. Dies alleine ist jedoch keine Strategie. Vielmehr besteht die Gefahr, dass Stärken erodieren und Zukunftsperspektiven offenbleiben. Dies ist der Weg in eine Abwärtsspirale. Daher sollten erforderliche Restrukturierungen wertschöpfend gestaltet werden, also unter Wahrung von Stärken und Werten. Grundsätzlich geht es für die Banken darum, den Wandel als Chance zu begreifen und für sich nutzbar zu machen. Die Chancen überlassen die Banken heute anderen Spielern am Markt, welche die Bedarfe der Kunden sehen und bedienen. Dass dies geschieht, liegt in der Hand der Banken selbst, könnte also aus eigener Kraft geändert werden. Nicht einmal die Macht der Regulierung wird als so weitreichend gesehen, als dass diese auf die Strategieentwicklung maßgeblich Einfluss haben könnte. Ein strategischer Schlüssel liegt also darin, die eigenen Stärken und die Chancen des Wandels für neue Strategien und Innovationen zu nutzen. Die Methoden, um dies zu tun, sind reichlich vorhanden und einsetzbar, die erforderlichen Kompetenzen aufbaubar.

Teil 3: Eine Haltung für den Erfolg wählen

Basis für den Erfolg ist die innere Haltung. Das wird heute oft übersehen. Denn die innere Haltung bestimmt, welche Chancen und Risiken gesehen und wie diese bewertet werden, dementsprechend welche Handlungen folgen. Um neue Möglichkeiten zu sehen und um die Basis für Wachstum zu schaffen, ist für die Bankenbranche ein Haltungswandel erforderlich. Dazu gehört die bewusste Wahl von grundlegenden, klaren Standpunkten. Ein solcher Standpunkt ist die Wahrnehmung der eigenen Gestaltungsmacht. Wird diese abgegeben, sei es an Umfeld-Faktoren, technische Veränderungen oder die Aufsicht, so sind die Türen für den Erfolg verschlossen. Ausgangspunkt ist also der Wille zu gestalten. Ein weiterer zentraler Standpunkt für den Erfolg ist die Kundenorientierung. Diese scheint, bei aller Beschäftigung der Banken mit sich selbst, in Vergessenheit geraten zu sein. Die Kunden haben Bedarfe, Wünsche und Anforderungen, die heute nur bedingt bedient werden. Dies spiegelt sich direkt in der Position wieder, welche die Banken gegenüber der Realwirtschaft eingenommen haben: Losgelöst, stattdessen mit Eigenbetrachtung und resultierendem Eigenleben. Für die Banken wird es wichtig sein, wieder ihren Platz in der Wertschöpfungskette der Realwirtschaft einzunehmen und ihren eigentlichen Zweck zu erfüllen. Das hört sich trivial an, repräsentiert jedoch einen weiteren, fundamental erforderlichen Haltungswandel.

Ausblick für die „Bank der Zukunft“

Die Banken sind den Stürmen des Wandels nicht ohnmächtig ausgesetzt, sondern haben ihr Schicksal selbst in der Hand. Das sehen die Banken durchaus selbst, zumindest im Angesicht der Aufsicht. Dass ein fundamentaler Wandel noch aussteht, hängt mit der offensichtlichen Orientierungslosigkeit in der Branche zusammen. Der Startpunkt für den dringend erforderlichen Wandel liegt in der inneren Haltung.

Um neue Erfolge zu gestalten, sind insbesondere die Führungskräfte gefragt, klare Standpunkte zu beziehen, Orientierung zu geben und den Wandel zu steuern. Dies umfasst einen Paradigmenwechsel hin zur Kundenorientierung und dem Dienst an der Realwirtschaft sowie eine klare strategische Ausrichtung. Die Freiräume und Möglichkeiten dafür sind vorhanden. Was es braucht, ist der Mut für klare Standpunkte und für neues Handeln.


 

Über die Studie

Die Studie „Zukunft der Banken” soll Auswege aus dem Dilemma der Banken und des Bankensektors entwickeln. Die Studie wurde von Frau Dr. Henke in Kooperation mit Prof. Dr. Markus Petry, Hochschule RheinMain, Wiesbaden https://www.hs-rm.de/de/hochschule/personen/petry-markus/ und Bianca Späth, Düsseldorf https://www.bs-change.de/referenzen/ durchgeführt.

Zwei Auswertungsmethoden kamen zum Einsatz, um möglichst fundierte Erkenntnisse zu gewinnen und Empfehlungen für die Branche abzuleiten.

Auswertung 1: Nach Grad der Zustimmung

Die mit dieser Auswertung gewonnen Erkenntnisse wurden im April 2016 in „bank und markt“ veröffentlicht: „Die Bank der Zukunft – Strategien für den Erfolg“ von Markus Petry, Anja Henke, Bianca Späth, bank und markt Heft 4 April 2016. Den Artikel können Sie hier lesen: http://www.carpeviam.com/strategien_fuer_den_erfolg_bank_markt/.

Auswertung 2: Mit Methoden des Data-Mining

Zur Vertiefung der gewonnenen Erkenntnisse wurde die explorative statistische Analyse eingesetzt. Hier wurde ich von Udo Kiel unterstützt http://h-faktor.de/. Über die mit dieser Auswertung gewonnen Erkenntnisse wurde berichtet, etwa hier: „Banken müssen sich Wandel stellen“, Dr. Anja Henke, finanzwelt.de, 09.01.2017. Den Artikel können Sie hier lesen: http://www.carpeviam.com/banken-muessen-sich-wandel-stellen-artikel-von-dr-anja-henke-finanzwelt-de-09-01-2017/
Alle Ergebnisse finden Sie in der Studie „Bank der Zukunft“. Diese können Sie kostenfrei bei mir erhalten. Senden Sie mir einfach eine mail an a.henke@carpeviam.com.

Anja Henke

Anja Henke

Dr. Anja Henke ist Gründerin und Geschäftsführerin von Carpe Viam. Mit ihrem Team unterstützt die Naturwissenschaftlerin Konzerne und Mittelstand für Umsatz- und Ertragswachstum, Innovation und Marktführerschaft.
Anja Henke

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