Auch mehr als 10 Jahre nach der globalen Finanz- und Schuldenkrise Krise ist die Bank der Zukunft nur schemenhaft zu erkennen. Trotz vieler Veränderungen und der oft gewählten Restrukturierung ist die Erfolgskrise der Banken ungelöst. Ein nüchterner Blick auf die Zahlen der letzten fünf Jahre zeigt die drei essentiellen Erfolgsfaktoren und konkrete Wege, um diese anzugehen.


 

Viele Banken in Deutschland sind nach wie vor mitten in einer Ertrags- und Erfolgskrise. Dies liegt nicht nur an der Regulierung. Auch das Misstrauen und die öffentliche Kritik sind weiter groß. Die Digitalisierung das etablierte Geschäft in Frage. Neue Wettbewerber mischen den Markt auf. Die Gewinnquellen schwinden.

Schon vor 2008 fand eine fast schleichende Konsolidierung der deutschen Banklandschaft statt. Nach der Krise haben viele Banken mit weiteren Restrukturierungen reagiert. Neue Ertragsquellen wurden jedoch kaum erschlossen. Daher ist die Frage nach der Zukunft der Banken weiter offen.

Banken-Profitabilität im Sinkflug

Die Profitabilität der privaten Banken in Europa ist im Zeitraum 2013 bis 2017 gesunken. Dazu haben externe Faktoren beigetragen, insbesondere geringe Zinssätze und zunehmende Regulierung. Doch auch von den Banken selbst gewählten Strategien tragen zum Ertragsverlust bei. So haben private Banken sich verstärkt auf wohlhabendere Kunden ausgerichtet, die geringere Gebühren zahlen. Das Wachstum resultierte primär aus dem steigenden Volumen der Kundengelder, befeuert von einem freundlichen Marktumfeld. Neue Ertragsquellen wurden von den Banken in diesen fünf Jahren nicht erschlossen, etwa neue kostenpflichtige Services. Stattdessen stiegen die Kosten weiter. Der Bedarf nach neuen Lösungen ist offensichtlich, mehr noch, er ist dringlich.

(Quelle: European Private Banking in 2018, McKinsey Banking Practice, September 2018 https://www.mckinsey.com/~/media/McKinsey/Industries/Financial%20Services/Our%20Insights/European%20Private%20Banking%20in%202018%20Running%20for%20scale/European-private-banking-survey-2018-web-final.ashx)

Drei essentielle Erfolgsfaktoren

Was also können die Banken der Zukunft tun, jenseits der bisherigen Lösungen? Der Blick auf die Zahlen zeigt drei essentielle Erfolgsfaktoren.

  1. Mentalität – die Bank der Zukunft braucht einen Standpunktwandel. Kern des Wandels muss die Ausrichtung auf den Kundennutzen sein. Dieses fundamentale Umdenken führt zu einem Besinnen auf die ureigenen Bank-Aufgaben der Losgrößen-, Fristen- und Risikotransformation. Weiter führt dies zu einer ganzheitlichen Beratung der Kunden. Viele Banken haben darauf bereits umgestellt, doch das Denken in Produktverkauf ist nach wie vor präsent. Daher sind Werte und ethische Grundsätze Scheindebatten, die ohne einen vollzogenen Standpunktwandel ihre Wirkung verfehlen. Es ist Führungsaufgabe, diesen Wandel zu gestalten.
  2. Strategie – die Bank der Zukunft muss vorhandene Ertragspotenziale nutzen und neue Ertragsquellen erschließen. Kurzfristig können Banken vorhandene Ertragspotenziale nutzen, mittel- und langfristig neue Ertragsquellen erschließen.
  • Ertragspotentiale nutzen: Auch etablierte Bankgeschäfte können erfolgreich sein, wenn die Angebote auf die Bedarfe der Kunden ausgerichtet sind. Daher gilt es insbesondere in die Beratung zu intensivieren und die Schlagzahl zu erhöhen. Oft verfügen Banken über einen attraktiven Kundenpool. Hoher Nutzen kann gestiftet werden, etwa für die private Altersvorsorge oder den Aufbau von Vermögen, wo viele Menschen über wenig Kompetenz verfügen.
  • Neue Ertragsquellen erschließen: Die systematische Entwicklung von Strategien stellt sicher, dass Chancen umfassend genutzt werden. Das ideale Vorgehen orientiert sich am Dreiklang (1) Ausschöpfen des bestehenden Geschäfts, (2) Ausbau des Geschäfts und (3) Eroberung neuer Geschäftsfelder. Die richtige Mentalität ist auch hier gefragt. Dazu gehört die Analyse akuter und latenter Kundenbedarfe sowie der sich verändernden Wettbewerberlandschaft. Die Digitalisierung macht neue Geschäftsmodelle zugänglich. Ansatzpunkte lassen sich auch aus der Belegschaft oder mit den Kunden entwickeln. Gefragt ist die Offenheit für neue Standpunkte und alternative Vorgehensweisen. Diese Offenheit ist gerade auf den Führungsebenen entscheidend.
  1. Führung – die Bank der Zukunft braucht starke Führungskräfte. Welchen Weg eine Bank auch einschlägt, die Gestaltung des Wandels liegt maßgeblich in den Händen der Führungskräfte. Die Führungskräfte haben die Aufgabe, den Weg in die Zukunft vorauszugehen. Diese Aufgaben sind anspruchsvoll und benötigen Führungs-, Strategie- und Veränderungskompetenz sowie innere Qualitäten, etwa Wertschätzung, Kommunikationsstärke und Durchhaltevermögen. Banken sollten genau hier in den Aufbau von Kompetenzen investieren.

Das Gute ist, dass die hier skizzierten drei essentiellen Erfolgsfaktoren aus eigener Kraft zu bewegen sind. Damit können die Banken ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen.

 

Umsetzung: Das 3×3 Punkte Programm für die Bank der Zukunft

In der Praxis ist es oft eine große Herausforderung, die drei essentiellen Erfolgsfaktoren gemeinsam anzugehen. Daher sollten Banken zunächst herausfinden, wo sie stehen. Dann sind die Schwerpunkte klar, an denen es zu arbeiten gilt. Hier sind kurz die wesentlichen Themenfelder skizziert, an denen die Bank der Zukunft ihr strategisches Vorgehen ausrichten kann.

Mentalität

  1. Inwieweit steht der Kundennutzen in den Mittelpunkt – oder doch eher die Provisionen und der eigene Gewinn?
  2. Inwieweit arbeiten wir miteinander – oder doch eher konkurrenzbetont und gegeneinander?
  3. Inwieweit kultivieren wir Offenheit für neue Standpunkte – oder verteidigen wir traditionelle Sichtweisen?

Strategie

  1. Inwieweit gibt es eine klare, gemeinsame Zielausrichtung für die Bank, besonders im Top Management – oder dominieren Einzelinteressen?
  2. Inwieweit sind die passenden strategische Methoden und Prozesse verfügbar – oder fehlen wichtige Kompetenzen für das Problem Solving?
  3. Inwieweit gibt es klare Strategien für das Ausschöpfen, Ausbauen und Erobern – oder ist die Strategie vom „weiter wie bisher“ bestimmt?

Führung

  1. Inwieweit sind die Führungsprozesse in der Bank lebendig – oder ist die Kommunikation eher rar und eine Pflichtübung?
  2. Inwieweit gibt es ein gemeinsames Führungsverständnis – oder wird Führung individuell von jeder Führungskraft interpretiert?
  3. Inwieweit sind die erforderlichen Führungskompetenzen für den Wandel vorhanden – oder dominieren technisch-sachliche Kompetenzen?

Eine vertiefte Analyse, den Strategie-Check „Bank der Zukunft“, finden Sie hier. https://www.carpeviam.com/bank-der-zukunft/

Business Analysis für die Bank der Zukunft

Um einen sicheren Startpunkt zu gewährleisten, ist zunächst eine Business Analysis zu empfehlen. Dafür setzt die Bank der Zukunft ein kleines Strategie-Team ein. In diesem Team sollten Mitarbeiter versammelt sein, die sowohl traditionell als auch innovativ denken. Denn dieser Mix ist für die Lösungen und Strategien von entscheidender Bedeutung.

Das Strategie-Team analysiert zum einen die Zahlen. Dabei prüft es, welche Muster zu erkennen sind, etwa in der Reaktion auf Veränderungen. Denn Zahlen sind immer Spiegelbild der Mentalität in der Bank.

Weiter führt das Strategie-Team strukturierte Interviews mit ausgewählten Mitarbeitern aus verschiedenen Bereichen und unterschiedlichen Hierarchieebenen der Bank. Auch kurze Analyse-Workshops mit Open Space Formaten sind hierfür geeignet.

Lösungskonzept und Strategie

Auf Basis der Analyse-Ergebnisse entwickelt das Strategie-Team ein Lösungskonzept. Darin finden sich Stärken, Hürden und Schwerpunkte, die bei der folgenden Strategieentwicklung anzugehen sind. Die Inhalte variieren naturgemäß von Bank zu Bank, da Stärken, Marktposition und Ziele sich unterscheiden. So entstehen einzigartige Strategien, die genau diese Bank der Zukunft ausmachen und die sicher umgesetzt werden können. Denn eine solche Analyse macht auch die Hürden transparent, die dem Erfolg im Weg stehen.

Der Weg zur Bank der Zukunft – jetzt starten!

Auf diesem Weg können Banken aus eigener Kraft und mit überschaubarem Aufwand neue strategische Wege eröffnen und ihre Zukunft sichern. Kernelemente sind Offenheit für das Umdenken, Zeit für neue Ideen und Energie für das Lernen. Das ist risikoarm und verhilft zu einer dauerhaften starken wie auch ertragreichen Positionierung. Zugleich kann die Bank der Zukunft sich Wettbewerbsvorteile aufbauen, die ihrer Natur nach nicht kopierbar sind. Das Handeln entlang der drei Erfolgsfaktoren, mit der Business Analysis und aufbauenden Strategieentwicklung ist in jedem Fall sicherer, als mehr vom Selben zu tun und auf die nächste Krise zuzusteuern. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um diesen Weg zu starten.

Lesen Sie hier den Artikel zum Thema von Dr. Anja Henke in capital.de vom 7. Januar 2019: https://www.capital.de/wirtschaft-politik/drei-essentielle-erfolgsfaktoren-fuer-banken

 

Anja Henke

Anja Henke

Dr. Anja Henke ist Gründerin und Geschäftsführerin von Carpe Viam. Mit ihrem Team unterstützt die Naturwissenschaftlerin Konzerne und Mittelstand für Umsatz- und Ertragswachstum, Innovation und Marktführerschaft.
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